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Ausufernde Überlegungen zum Antikommunismus

Es ist in der Tat zu beobachten, dass das ausgeprägte antikommmunistische Ressentiment, der nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur als Antisemitismusersatz entdeckte, sondern eben auch zuvor schon als ein ideologisches Versatzstück  des NS existente Antibolschewismus, in den Analysen  des bestehenden und gerade auch vergangenen Faschismus, wie sie von der undogmatischen Linken betrieben werden, zunehmend übergangen wird.
Das ist gar nicht sonderlich unverständlich: über traditionskommunistische Geschichtsklitterung braucht man gegenüber aufgeklärten Menschen kein Wort zu verlieren.
Aber neben Überlegungen zu Querfronten und Schnittmengen gesamtdeutscher wie auch speziell ex-realsozialistischer Revisionismen und Sehnsüchte kann auch Empirie nicht schaden:
Gegen z.B.  Le Pens nach 1990 geäußerte Einsicht, dass nun nicht mehr „der Kommunismus“ - in der extremen Rechten damals wie heute eine von realiter bestehenden kommunistischen Strömungen losgelöste projektive, wahnhafte Chiffre – der Hauptfeind zu sein habe, sondern „der vaterlandslose Liberalismus und Atlantizismus “- eine nicht minder wahnhafte Chiffre, aber ebenfalls nicht bloß etwas Pathologisches, sondern auch Ausdruck politischer Praxis und als solche ernstzunehmen - steht eben die nicht zu leugnende Tatsache , dass der FN nach wie vor sein Profil als rassistische, extrem konservative (also eben nicht  faschistisch-revolutionäre) Partei ganz und gar nicht verloren hat (lebendig ist, auch nach dem Weggang Mégrets, der „national-republikanische“ Flügel, ebenso finden wir katholische Fundamentalisten und vehemente Regionalisten). Es dürfte also  nicht der Wahlhilfe durch Figuren wie Alain Soral zu verdanken sein, dass  der FN über eine stabile Stammwählerschaft verfügt- im Gegenteil ließe die sich eher verschrecken durch offen antisemitischen Antikapitalismus. (Andererseits ließe diese Gruppe sich durch einen offensiv knallrechten Demagogen aus den Reihen der Konservativen - nach F.-J. Straußens Modell „keine Partei rechts der CDU“- vielleicht abwerben. Aber Politikberatung soll meine Sache hier nicht sein.)
(---Aber wie immer muss eben auch hier konzediert werden, dass die deutschen Verhältnisse ganz andere sind: Dass ein Querfrontmilieu auch z.B. in Italien Tradition hat, mag zwar stimmen- dort allerdings nahm es sich schon vor dem ersten Weltkrieg als „national-syndikalistisches“ ganz anders aus als die deutsche Faschismus-Ursuppe aus verquaster Germanentümelei, chronisch gekränktem Nationalstolz und regressivem Antikapitalismus.
Und diese Ursuppe ist hierzulande heute wiederum attraktiv (allerdings nicht „ungebrochen“, wie ich fast gesagt hätte, sondern in der Tat vor 1990 oft durch Antikommunismen überlagert) : unbegriffen im Fußvolk, deutlicher, artikulierter in den neuen „Theoriezirkeln“ (à la „Thule- Seminar“ oder „Dresdner Schule"  ---)
Zu meiner Ausgangsthese: in seinem Blog wundert sich Daniel Kulla :

 „Zum 90. Jahrestag der bolschewistischen Machtübernahme in Rußland 1917 haben die ganz besonders Deutschen damalige und heutige Anwandlungen von Querfront und Nationalbolschewismus spontan vergessen. Im Sonderheft ihres von Gert Sudholt herausgegebenen Kiosk-U-Boots “Deutsche Geschichte” - in dem sonst vor allem alliierte Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg, Lügen über die guten Nazis und andere antideutsche Machenschaften in der Geschichte verhandelt werden - erklären sie noch einmal genau, wovor die Nazis den Rest der Welt zu retten versuchten.“

Das bräuchte eigentlich nicht zu wundern- hätte man sich nicht hie und da etwas zu reichlich der Totalitarismustheorie bedient(„antikapitalistisches Kameradschaftstreffen in Heiligendamm“- und das ist nicht  auf die Nazi-Mobilisierung zum G8 gemünzt!)-oft allerdings ist die Polemik auch angemessen!-, und Ereignisse wie die Oktoberrevolution, überhaupt die deutsche Geschichte vor 1933 , die eben immer auch quer liegen zu nur am Tagespolitischen gewonnenen Betrachtungsweisen, gerne ausgespart. Chic ist es in einer Fraktion der Linken nach wie vor, die – Einsicht ebenfalls von Kulla geborgt- Schulbuchgeschichtsschreibung der DDR zu revitalisieren, chic ist es -befürchte ich-  in einer anderen, weniger denkfaulen, jede kommunistische Bewegung  vor dem endgültigen Scheitern der bürgerlichen Emanzipationsbestrebungen (darunter fallen für mich noch Lenin oder Luxemburg) mit Auschwitz, dem Hohn über die bessere Welt in den faschistischen Vernichtungslagern, schon in den Ruch eben des Nazifaschismus zu stellen.
 
Bedeutet all das aber umgekehrt auch, dass z.B. der „Kommunismus“ eines Gruselblatts wie der Jungen Welt ,jener Lafontaines , der „Sozialismus“ der kubanischen Altherrenriege noch ein letztes emanzipatorisches Moment  in sich tragen sollte, fernes Echo einer gescheiterten Bewegung wie etwa  der Novemberrevolution(die ja in nicht allzuferner Zukunft auch feuilletonistisch ausgeschlachtet werden wird…bin schon sehr gespannt), die angesichts des Wahnsinns eines ersten deutschen Angriffskrieges noch die politische Praxis einer Selbstkritik des bürgerlich-aufgeklärten Bewusstseins hätte sein können, ohne hinter dessen Stand zurückzufallen?
12.11.07 13:51
 



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